Warum wir Hunde lieben und Schweine essen. Gedanken über Tierhaltung und Ernährung. Warum ich mich vegan ernähre.
#tierlieb

Warum wir Hunde lieben und Schweine essen. Oder auch: Über Schuld, die mich nicht loslässt…

Lesedauer: 5 Minuten

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In diesem Beitrag erzähle ich dir von meinem Leben auf einer amerikanischen Farm und meiner Betreuung der Hunde vor Ort. Was ich dort erlebte, hat mich für mein Leben geprägt und mein Essverhalten grundlegend verändert. Vielleicht hast auch du beim Lesen so einen Aha-Moment! Bei mir kam er erst 12 Jahre nach meiner Zeit dort. Geht es bei dir schneller?


Alles begann auf einer Farm in den USA…

Mit 16 Jahren hatte ich das Privileg in die USA reisen zu dürfen, um dort ein Jahr bei einer Gastfamilie zu leben. Das Schicksal wählte eine Gastfamilie in Kansas für mich aus. Eine Familie, die mitten im Nirgendwo in einer Kleinstadt mit weniger als 800 Einwohnern auf einer Farm lebte. Auf unserer Highschool waren weniger als 60 Schüler – alle Jahrgänge zusammen genommen. Kurz gesagt: Ich war wirklich mitten im Herzen der USA angekommen. Hier wehten die Grasbüschel über die Straße und die Sonne brannte auf die Felder. Wer nicht in der kleinen „Stadt“ arbeitete, arbeitete in der Landwirtschaft. So auch ich:


Meine tägliche Aufgabe: Hunde betreuen

Gleich bei meiner Ankunft auf der Farm bekam ich eine Aufgabe zugewiesen, die ich morgens vor der Highschool zu erledigen hatte. Ich sollte die zwei Hunde des Hofes betreuen, während die Tochter des Hauses sich um die Hühner und ein Schwein kümmerte. Alle Hundefreunde dachten damals sicher, dass das ein Geschenk für mich tierlieben Mensch sei. Auch meine Familie und sogar ich selber muss so gedacht haben. Leider entwickelte sich die Geschichte in eine andere Richtung. Die zwei Hunde des Hofes lebten nicht bei der Familie, sondern in einem kleinen Gehege eingesperrt gegenüber dem Haus. Dort verbrachten sie den ganzen Tag, denn Auslauf gab es für sie nicht. Nie.

Mit meinen 16 Jahren und ohne großen Erfahrung in der Hundehaltung, wusste ich es damals nicht besser. Trotzdem lässt mich diese Erinnerung auch nach so vielen Jahren nicht los und ich wache auch heute noch völlig schulderfüllt in Gedenken an meine Zeit mit den Hunden auf.


Warum der Rüde und ich nie Freunde wurden

Meine konkrete Aufgabe bestand darin, die Hunde täglich zu füttern und ihr Wasser aufzufüllen. Einmal die Woche sollte ich das Gehege mit einem Gartenschlauch ‚kärchern‘. Anfangs war ich sehr motiviert und wollte mit den Hunden etwas machen. Sie kennenlernen, vielleicht ein paar Tricks üben. Doch schnell stellte sich heraus, dass einer der Hunde (eine Hündin) eine kaputte Hüfte hatte, während der andere Hund (ein Rüde) völlig plemplem war. Sobald ich mich seinem Gehege näherte, fing er an, wie wild auf- und abzulaufen und zu springen. Wenn ich in sein Gehege kam, sprang er unentwegt an mir hoch. Er war ein Rambo und ich schnell von ihm genervt. Ich fütterte ihn und gab ihm frisches Wasser, wollte aber so wenig Zeit wie möglich bei ihm verbringen. Nach einer Weile reichte ich ihm seinen Futternapf über den Zaun. Sein Gehege betrat ich immer seltener.

Welch armes und isoliertes Tier, das sich einfach nur nach Kontakt sehnte, denke ich heute.


Sie konnten nichts für ihre Verhältnisse

Die Hündin hatte (anders als der Rüde) bei ihrem Gehege einen Unterstand, in den sie sich zurückziehen konnte. Sie hatte immerhin ein Dach über dem Kopf, der Rüde hatte das nicht. Dafür war ihr Zwinger viel, viel kleiner als der des Rüden. Sie lebte quasi in der Schleuse zwischen dem Unterstand und dem Gehege des Rüden. Erst mehrere Jahre nach meiner Zeit in den USA ist mir bewusst geworden, dass diese „Hundehaltungsanlage“ anscheinend für nur einen Hund ausgelegt war, der dann einen kleinen Unterstand und einen kleinen Auslauf gehabt hätte. Hier lebten zu meiner Zeit jedoch zwei Hunde. Beide Hunde lebten in unwürdigen Verhältnissen und es tut mir heute noch in der Seele weh, dass ich die Hunde damals so wenig leiden konnte. Sie konnten absolut nichts für ihre Verhältnisse.

Seit meiner Zeit dort sind viele Jahre vergangen. Heute habe ich selber eine Hündin, die ich über alles liebe und die ein Teil meiner Familie geworden ist. Nie käme ich auf die Idee, sie so zu halten, wie ich es dort erlebt habe. Denn das ist keine Lebensweise für ein Tier.


„Das ist keine Lebensweise für ein Tier“

Was für ein Aha-Moment! Es brauchte rund 12 Jahre für mich, um das zu verstehen. Denn: auf dem Hof lebten noch andere Tiere – und eines speziell: ein Schwein. Auch wenn ich das Schwein selten besuchte, so weiß ich doch, dass es ein ähnlich großes Gehege hatte wie die Hunde. Damit übertraf die Größe des Geheges bei Weitem alles, was in unserer Landwirtschaft heute üblich ist. Selbst unsere „Bio-Schweine“ leben in winzigen Ställen, in denen sie sich in ihrem eigenen Kot wälzen. Hier müssen wir uns nichts vormachen.

Was mich an der Sache auch im Nachhinein so schockiert ist, dass ich auch heute noch in meinem Herzen eine ozeangroße Ungerechtigkeit den Hunden gegenüber empfinde. Aber wie stand es um das Schwein? Wenn ich schon empfand, dass das keine tierwürdige Haltung eines Hundes war, wie kann ich dann hinnehmen, dass Schweine so leben? Beziehungsweise wie kann ich hinnehmen, dass Schweine bei uns in Deutschland noch viel, viel, viel, viel, viel schlechter leben als die Tiere damals in Kansas. Schweine sind intelligenter als Hunde, das ist wissenschaftlich erforscht. Ihre Intelligenz wird mit denen von Kleinkindern verglichen. Wie kommt es also, dass ich so viele Jahre danach brauchte, bis ich die Ungerechtigkeit und Ungleichheit erkannte?


Es ist ganz einfach: Weil wir Hunde lieben und Schweine essen. Warum? Aus keinem anderen Grund als dass unsere Gesellschaft sich bewusst dazu entschieden hat. Wer Hunde isst, ist ein Barbar. Wer Schweine isst, ist ein Deutscher. Wer keine tierischen Produkte mehr isst, ist ein (anstrengender) veganer Mensch.


Ich befreie mich vom Leid

Ich habe für mich beschlossen, dass ich nie wieder Fleisch essen möchte. Weil es gesundheitlich nicht gut ist. Ja, auch das wissen wir, aber verdrängen es so gern. Doch einfach auch, weil ich dieses Wissen um das Leid nicht mehr ertragen kann. Ich kann meine Augen nicht mehr davon verschließen. Und das muss ich auch nicht mehr: Ich kaufe einfach kein Tierleid mehr ein.

Ja, wir uns vegetarisch oder vegan ernährenden Menschen werden häufig als anstrengend betrachtet. Als Moralapostel. Aber jetzt mal ganz ehrlich…der einzige Grund, warum wir Veganer so oft bei anderen anecken und sogar beschimpft werden, ist die Tatsache, dass wir auf etwas hinweisen, das wir Menschen lieber verdrängen wollen. Ja, so einfach ist es. Auf so etwas wie das Leid der Tiere, die da vor uns im Supermarkt liegen, wollen wir einfach nicht aufmerksam gemacht werden. Ich will es ja selber nicht. Ich will es nicht wahrhaben, dass unsere Industrie so widerlich ist. Doch das ist sie. Sie ist viel schlimmer als das, was ich in den USA erlebt habe.


Gibt es eine Rechtfertigung dafür, wie wir unsere Tiere halten?

Also: Wenn mich meine Eindrücke aus den USA noch zwölf Jahre später verfolgen, wie kann ich dann rechtfertigen, wie die Tiere in unserer Landwirtschaft gehalten werden und sie essen? (Die Mär vom Bio-Siegel hin oder her?) Ich kann es nicht. Wir als Gesellschaft können es nicht. Es gibt keinen Grund, der rechtfertigt, wie die Tiere bei uns leben. Profit und Gier sind die Ursachen dafür, dass die Tiere hier so leben müssen. Es rechtfertigen tun sie nicht. Lasst uns umdenken. Auch wenn es unangenehm, anstrengend und schwer sein mag.

Lasst uns Hunde lieben – und Schweine ebenso!

Ein kleines Schwein. Intelligenter als ein Hund. Und trotzdem essen wir es. Wir sollten Hunde und Schweine lieben.

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