Müll sammeln.
#plastikfrei

Müll sammeln mit Freunden

Lesedauer: 4 Minuten

Als meine Freundin Anke und ich mit unseren Hunden kürzlich im Grünen spazieren waren, fiel uns eine besonders vermüllte Stelle auf. Hier standen zwei Holzbänke und ein Mülleimer, doch der Müll lag überall verstreut auf dem Boden. „Was für Schweine!“, ging es uns sofort durch den Kopf. Wie konnte man einen Picknick-Platz so hinterlassen? Wir beschlossen, den Ort sauber zu machen – nicht sofort, denn wir hatten weder Tüten noch Handschuhe dabei. Aber wir fassten den Entschluss uns zwei Tage später wieder zu treffen für ein Müll sammeln mit Freunden. Im Anschluss würden wir dort gemütlich picknicken.

Müll auf dem Boden und in der Natur



Dem Übeltäter auf der Spur

Wieder zuhause angekommen postete ich die Bilder von der Müllstelle auf Instagram und Facebook und fragte, wie Menschen nur so achtlos den ganzen Müll hinterlassen konnten? Es dauerte nicht lange, da klingelte mein Handy. Es war mein ehemaliger Nachbar, der sich als Mitglied des Stadtrats viel für die Braunschweiger Umwelt einsetzt. Er erklärte mir – und da muss man erst mal drauf kommen – dass nicht die Menschen den Platz so verwüstet hätten, sondern die Krähen. Die Krähen?! Ich war erstaunt. Er erklärte, dass die Menschen, die sich dort hinsetzten (und vorzugsweise Döner aßen) zwar ihren Müll in den Mülleimer warfen. Es waren aber die Krähen, die den Müll aus dem Mülleimer wieder rausholten, um an die Reste zu kommen. Dabei würden sie den gesamten Müll auseinanderfleddern und alles über dem Boden zerteilen. Das seien so schlaue Vögel, gab er bewundernd zu. Und grade deshalb sei es ein ernstes Problem, dass die Menschen dort ihren Picknick-Müll hinterließen. Viel zu viel Müll würde so einfach in die Umwelt gelangen. Es wäre besser, seinen Müll einfach wieder mit nach Hause zu nehmen und ihn ganz normal zu entsorgen.

Anke und ich waren beide baff. Das hatten wir nicht erwartet. Fast hätten wir dort selber nach unserer Aufräum-Aktion gepicknickt und sicherlich Müll im Mülleimer hinterlassen. Wir würden es anders machen, beschlossen wir. Ein müllfreies, zerowaste Picknick zur Belohnung nach unserer Putz-Aktion, das sollten wir hinkriegen.


Zeit für ein Müllsammel-Date

Am besagten Tag trafen unsere zwei Haushalte sich also an der Müllstelle. Wir hatten alle Gartenhandschuhe dabei und zwei große, alte Plastiktüten. Mit vereinten Kräften begannen wir jeden Fitzel Döner-Alu-Verpackung, jede Kippe, jeden Bierdeckel und jede Glasscherbe, die wir fanden aufzuräumen. Es stellte sich nämlich heraus, dass an der kleinen Steinmauer, die dort verlief, haufenweise Scherben lagen. Jemand musste die Bierflaschen auf den Boden oder gegen die Mauer geschlagen haben. Dass wir dies nicht den Krähen zuschreiben konnten, war uns allen klar. Wieder kam die Frage auf, warum wir Menschen solche Dinge taten? Waren es Jugendliche, die aus Coolness und fehlendem Umweltbewusstsein Flaschen zerschlugen? Waren es ältere, die volltrunken ihre Flaschen loswerden wollten? Wir würden es nicht erfahren. Fakt war aber, dass dort alles übersät mit Glasscherben war. Mitten in der Natur.


Alles blitzeblank – fast zumindest

Nach eineinhalb Stunden waren wir fertig. Der Platz war soweit aufgeräumt. Ja, hätten wir ein Rechen dabei gehabt, hätten wir noch gründlicher nach den Scherben suchen können, aber irgendwann war es dann auch gut. Wir hatten zwei riesige Tüten voller Müll und Glasscherben gesammelt.


Lasst uns picknicken

Und so breiteten wir verdient unsere Picknick-Sachen aus und begannen das leckere Essen und die Natur um uns zu genießen. All unser Obst und Gemüse, unsere selbstgemachten Wraps & Waffeln waren in Brotdosen und Körben verstaut. Für unsere Getränke hatten wir Glasflaschen und Becher. Es gab Stoffservierten und jede Menge gute Laune. Es war ein herrlicher Tag. Danke, meine Freunde, dass ihr mit uns diese schönen Stunden verbracht habt. Gutes zu tun & dabei eine schöne Zeit zu haben, kann so einfach sein.


Gutes tun kann so einfach sein

Denn jetzt mal ehrlich, wer kennt das nicht? Wir laufen irgendwo lang, sehen Müll auf dem Boden liegen und denken uns: „Welcher Ar***, hat das da einfach hingeworfen?“. Meistens gehen wir dann einfach dran vorbei oder wollen es erst gar nicht sehen. Aufheben wollen wir es auf keinen Fall (denn wer will aktuell in Corona-Zeiten irgendetwas von „anderen“ berühren oder wegräumen?) Auch bei Anke und mir war das erst mal nicht anders. Müll ist pfui. Was aber, wenn der Müll nun in der Umwelt landet? Wenn er direkt auf Wiesen, Feldern und im Wald liegt? Dann wird daraus eine ganz andere Geschichte, denn hier kommen die Natur und die Tierwelt ins Spiel. Müllsammeln kann so Spaß machen! Probiert es doch mal aus. Ihr braucht dazu nur einen Tag mit schönem Wetter, ein Paar Handschuhe, eine Tüte für den Müll, eure liebsten Freunde und ein Gläschen (alkoholfreien) Sekt, Radler und frische Erdbeeren zur Belohnung. Wir können es nur empfehlen. Herrlich!


Mehr zum plastikfreien Leben erfahrt ihr hier. #plastikfrei

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