Hannah von www.lovelyminds.de räumt auf mit Glaubenssätzen zur Leistung. Leistungsgesellschaft.
#achtsam,  #mood

Wie ich dem Leistungsdenken entkomme

Lesedauer: 3 Minuten

Seit einiger Zeit kultiviere ich positive Glaubenssätze und räume mit alten Leistungsgedanken auf. Falls auch du solche Gedanken mit dir herumträgst, mag dir dieser Eintrag helfen, dem Leistungsdenken zu entkommen.



Ist es ok zu sagen, dass man müde ist?

Es ist Sonntagabend, 18:30 Uhr und ich bin müde. Das darf ich auch sein. Ich hab meiner Schwester gestern geholfen, ihr neues Haus zu renovieren. Ich habe Tapeten abgezogen, Schutt aufgesammelt und Säcke hinausgetragen. Ja, ich darf heute platt sein.

Nur was wäre, wenn ich das gestern nicht getan hätte… Was wäre, wenn ich heute einfach so platt wäre? Obwohl ich „gar nichts“ geleistet habe. Würde ich hier immer noch schreiben, dass ich müde wäre? Oder bei Instagram in meiner Story erzählen, dass ich platt bin? Vermutlich nicht, denn dann könnte man mich ja für faul halten. Oder für wenig produktiv. Oder für nicht leistungsstark. Auf jeden Fall würde es ein negatives Bild auf mich werfen – also sollte ich so etwas besser nicht schreiben oder sagen.


„Erzähl doch nicht, dass du müde bist, Hannah. Was soll dein Arbeitgeber denken?“

Nicht zu erwähnen, dass ich müde sei, wurde mir auch vor kurzer Zeit geraten: „Hannah, sowas würde ich nicht posten. Was soll dein Arbeitgeber denken?“ Interessanterweise hatte ich an dem Tag wirklich viel erledigt. Ich „durfte“ also müde sein. (Trotzdem sollte ich keine Schwäche zeigen). Was aber, wenn der Tag gar nicht so anstrengend war – ich am Ende des Tages aber trotzdem platt wäre? Dürfte ich das dann sein? (Und auch erzählen?)


In unserer Gesellschaft dreht sich alles um Leistung

Wir leben in einer Leistungsgesellschaft. An sich ist diese Aussage nichts Neues. Und trotzdem sind die Glaubenssätze, die mit dieser Gesellschaftsform einhergehen, so fest in uns verankert, dass wir sie selten wirklich hinterfragen.

Gedanken wie…

„Ich bin nur wichtig, wenn ich leiste. Ich werde nur gelobt, wenn ich etwas geschafft habe. Ich werde nur geliebt, wenn ich mich anstrenge und mich bemühe.“

Solche Gedanken sind uns nur selten offen bewusst. Meist schlummern sie tief im Verborgenen. Es fällt schwer zu glauben, dass wir solche Glaubenssätze mit uns herumtragen.
Doch ich bin mir sicher, dass solche Gedanken in den meisten von uns schlummern. (Denn auch ich trage sie mit mir rum).


Kannst du deine eigenen Glaubenssätze aufdecken?

Vielleicht erkennst du dich in diesen Gedanken wieder:

„Ich darf nicht als erster aus dem Büro gehen. Ich muss gesehen werden. Vor meinen Kollegen nicht und schon gar nicht vor dem Chef darf ich Schwäche zeigen. Bei der Arbeit eine lange Mittagspause machen? Das geht nicht, ich hab so viel zu tun. Nicht dass jemand denkt ich würde mich vor meiner Arbeit drücken…“

Beide Gedankenreihen haben die gleiche Basis. Sie verknüpfen Leistung und Wert. Kurz: Ich bin nur wert, wenn ich leiste.

Dieses Gedankengut erziehen wir sogar unseren Kindern an. Wer in der Schule etwas leistet, wer sich besonders hervortut, wer ein Tor schießt, einen besonderen Tanz aufführt oder ein Bild malt, der wird gelobt.

Es ist daher nicht verwunderlich, wenn bereits Grundschulkinder heute unter enormen Leistungsdruck stehen und nur auf ihre Noten schauen.

Ich erschaudere jedes Mal wieder, wenn die Antwort des Jüngsten, wie denn heute die Schule war nur lautet: „In Mathe habe ich eine 1 bekommen und im Diktat eine 2“.

Inhalte sind für ihn nicht mehr wichtig. Oder zumindest nur noch am Rande. Entscheidend sich nur noch die Noten. (Dass wir ihn lieben, egal welche Noten er mit nach Hause bringt, das weiß er. Jedenfalls hoffen wir das. Und trotzdem sitzt auch beim ihm der Leistungsgedanke so fest im Kopf, dass es mich gruselt).


Wie ich mit alten Glaubenssätzen umgehe? Ich reiße sie aus wie Unkraut.

Wenn ihr euch hier beim Lesen dabei ertappt, dass ihr solch einen Glaubenssatz in euch tragt. Dann kann ich euch heute meine neue Einstellung dazu mitgeben:

Command – All – Delete. Einfach alle löschen.

Ich habe jetzt damit angefangen, meine Leistungsglaubenssätze zu erkennen, zu hinterfragen und bei Bedarf aufzulösen. Sie sind einfach nicht gut. Sie machen mich klein. Sie knüpfen meinen Wert an eine Leistung. Ich bin aber unabhängig von meiner Leistung wertvoll.

Deshalb kultiviere ich jetzt solche Glaubenssätze in mir:

„Ich bin gut, egal ob ich leiste oder nicht. Ich darf sein wie ich bin. Ich muss nichts leisten. Ich darf Pausen machen. Ich darf mich entspannen. Ich bin wertvoll und wundervoll. Einfach so wie ich bin. Ich darf Fehler machen, denn aus diesen lerne ich und wachse. Ich darf ausprobieren, denn so schaffe ich Neues. Ich darf Schwäche zeigen, denn ich bin ein Mensch voller Unvollkommenheit und Makel“.

Vielleicht kannst du dich bereits mit einigen dieser Gedanken identifizieren. Vielleicht braucht es dafür noch Tage, Wochen oder sogar Jahre. Ganz egal. Du gehst deinen Weg und ich gehe meinen. Ich habe jetzt damit angefangen, mich von Glaubenssätzen, die mich kleinmachen, zu lösen. Wie eine Pflanze hege und pflege ich diese neuen Gedanken und Glaubenssätze. Die alten werde wie Unkraut herausgerissen. Tschüss, Unkraut!


Mehr zum Thema „achtsam leben“ findest du hier.

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