Reden statt Schweigen. Frau mit Finger vor dem Mund.
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Gastbeitrag: Achtsam Reden statt Schweigen

Lesedauer: 2 Minuten

Gastbeitrag von Thea:

Reden ist Silber, Schweigen ist Gold. Jeder kennt diesen Spruch. Aber ist das so? Während meiner Schwangerschaft las ich gefühlt eine Million Bücher. Ich brauche zu allem erstmal ein Buch. Andere lassen Dinge in Ruhe auf sich zukommen. Ich liebe es einfach zu lesen. Ich denke, wie bei allem, muss da jeder seinen ganz persönlichen Weg finden.

Natürlich hatte ich durch mein Studium und die jahrelange Berufserfahrung schon pädagogisches Wissen. Aber ein eigenes Kind zur Welt zu bringen, hatte trotzdem ganz viel aufgewirbelt. Die Welt stand Kopf, ein neues Leben wuchs in mir.

In der Bücherei fand ich einiges zum Nachdenken. Begriffe wie Bedürfnisorientierung, Beziehung statt Erziehung, Attachment Parenting, Bedingungslose Liebe, Lob und Strafe schwirrten in meinem Kopf.


Mit dem Kind reden statt zu schweigen

Ein Thema begegnete mir häufiger, wenn ich las. Es war die Aussage, dass man die ganze Zeit mit seinem Kind reden soll. Das sei wichtig für die Sprachentwicklung. Mir erschien dies logisch. Um Sprache zu erwerben, brauchen Kinder Vorbilder. Außerdem sind auch Babys und Kinder schon vollwertig. Uns nicht gleich, aber gleichwertig. Sie verdienen es, dass man ihnen die Welt erklärt. So wird dem Kind angekündigt, was man mit ihm macht, anstatt (überspitzt formuliert!) übergriffig rumzuwurschteln. Beim Wickeln zum Beispiel, aber auch sonst. Auch das klang für mich sehr einleuchtend.

Es fiel mir nicht schwer mir vorzustellen, dass ich es auch blöd finden würde, wenn plötzlich ein Riese vor mir stünde und mich einfach hochnehmen würde. Oder wenn ich liege, man mich einfach nackig macht und an mir rumwischt. Denn genau das sind wir Erwachsenen ja irgendwie. Riesen, die Handlungen über die Köpfe der Kinder hinweg vollziehen.

Also stand fest: Das mache ich anders. Meinem Kind werde ich die Welt erklären. Ich werde achtsam reden, statt zu schweigen. Ich erzähle meiner Tochter, was ich mit ihr mache. Bewusst und im Moment. Klingt simpel.


Theorie vs. Praxis

Dann kam die Realität: Ich hätte nie gedacht, dass diese eigentlich Kleinigkeit so schwierig ist. Ich bin auch heute noch überrascht!

Ich bemühe mich und rede viel mit meiner Tochter: „So, Mama nimmt dich jetzt hoch. Wir holen mal dein warmes Wasser. Schwupps, hingelegt. Jetzt die Strumpfhose aus. Ein Beinchen, noch ein Beinchen. Na, ist da was in der Windel? Ich mache alles wieder sauber. Und jetzt brauchst du noch eine frische Windel“.

Das klingt vielleicht einfach. Es ist aber viel schwieriger als gedacht, besonders wenn man keine Antworten bekommt. Und ich vergesse es schlicht und einfach auch immer wieder. Dann halte ich inne und merke, dass ich schon einige Zeit still war, während ich sie wieder angezogen habe. Aber auch sie war währenddessen in etwas anderes vertieft. In ihr Mobilé oder ihre Rassel. Also ist das vielleicht auch in Ordnung so, denke ich.

Ich rede. Gefühlt ständig. Ich bemühe mich, ihr zu erklären, was ich mache. Inzwischen kann sie auch immer besser interagieren. Dadurch fällt es etwas leichter. Aber perfekt ist es nicht. Aber das muss es ja auch nicht sein.

Wo ich nie schweige: Ich sage ihr jeden Tag, dass ich sie liebe. ♥


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