Achtsamkeit im Alltag. Achtsam im Bad. Hannah von www.lovelyminds.de
#achtsam

Achtsam im Alltag

Lesedauer: 5 Minuten


Im „Hier und Jetzt“ leben – eine abgedroschenere Aussage gibt es wohl kaum. Wir sollen mehr den Moment genießen. Jaja, das ist uns allen klar, denn sonst verpassen wir das Leben. Aber wie sieht das aus, wenn uns die Realität und der Alltag einholen? Ich zeige dir, wie ich gelernt habe, achtsamer zu leben und verrate drei Tipps, wie du selber mehr Achtsamkeit in deinen Alltag bringen kannst.

Achtsamkeit oder Mindfulness, wie es genannt wird – was ist das eigentlich?! An sich bedeutet es nur, dass man sich in einem Moment aufmerksam, nicht-wertend seiner Umwelt und sich selber bewusst ist. Klingt irgendwie kompliziert, ist aber ganz simpel.


Mini-Achtsamkeitsübung

Probier es doch mal aus, indem du (nachdem du das hier gelesen hast) die Augen zumachst und spürst, was du in dem Moment wahrnimmst. Dabei kannst du all deine Sinne nutzen.

Was höre ich?

Was rieche ich?

Wie fühle ich mich innerlich?

Wie atme ich?

Welche Gedanken schieben sich dazwischen?

Lass all diese Eindrücke einfach mal wirken, ohne sie zu bewerten. Dein Bauch grummelt, weil du Hunger hast? Das ist ok. Dann spür das Gefühl von Hunger, aber lass es einfach so sein. Du kannst auch auf deinen Atem horchen. Ist er tief, ist er flach? Lass ihn so wie er ist. Egal was du bemerkst, nimm es einfach nur wahr.

Und jetzt du. Einfach mal für 30 Sekunden die Augen zumachen. Es lohnt sich.

Jetzt.

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30 Sekunden später: Na, was hast du alles bemerkt? Du warst eben grad für einen kurzen Moment achtsam.

Das ist auch schon das ganze Geheimnis des im Moment lebens. Einfach mal spüren und wahrnehmen, ohne gleich zu bewerten.


Achtsam kann jeder, wir müssen es nur üben.

Mir passiert häufig, dass ich anfange über meinen Atem nachzudenken. Sollte er tiefer sein? Mehr im Bauchraum? Die Gedanken fangen wieder an abzudriften.

Sollte dir das passieren, obwohl du grade in den Moment hineinspüren willst, dann ist auch das ok. Lenk deine Aufmerksamkeit einfach behutsam wieder zurück, zu deinem Atem, den Regentropfen an der Scheibe oder dem Zwitschern der Vögel. Auf was auch immer du dich kurz konzentriert hattest.


Nur wie kann Achtsamkeit in den Alltag integriert werden?

Schließlich will ich nicht ständig mit geschlossenen Augen in meiner Wohnung oder bei der Arbeit sitzen. Auch beim Auto fahren kommt das ganz schlecht.

Es ist so einfach. Wir machen die Dinge, die wir machen, einfach achtsam. Heißt: Einfach bewusst OHNE in den Gedanken schon die nächsten „To Do’s“ aufzulisten.


Ganz konkret sieht das bei mir zuhause z.B. so aus:

Es ist morgens und ich will mir die Haare waschen. Statt wie immer beim Duschen darüber nachzudenken, was ich heute noch alles erledigen muss, halte ich für einen kurzen Moment inne. Die Zeit, mir Gedanken zu machen, was der Tag wohl alles bringen mag, die reicht auch hinterher. Jetzt will ich kurz achtsam sein. Ich schnappe mir meine Seife. Wie fühlt sich das Seifenstück an, wie der Schaum auf der Haut, wie meine Haare, wenn ich sie einseife?

Habt ihr schon mal versucht, euch achtsam die Haare zu waschen? Ich sag euch, das ist nicht leicht! Immer und immer wieder driften die Gedanken ab. Das ist nicht schlimm. Das ist völlig normal. Ich bringe meine Aufmerksamkeit dann einfach wieder zurück in die Dusche.

Wo waren meine Gedanken? Schon auf Erkundungstour in meinem Kleiderschrank. Ob ich wohl das blaue Shirt anziehe oder doch lieber die weiße Bluse? Ich halte inne.

Haare voller Seife, warmes Wasser, meine Hände, die die Haare ausspülen. Ich nehme wahr. Ich bin wieder im Moment.


Achtsame Momente können wir immer und überall haben.

Wir könnten achtsam die Wäsche zusammen legen. Wir können ein achtsames Gespräch mit unserem Partner führen. Am leichtesten fällt es mir tatsächlich beim Fahrrad fahren. Ich kann meine Umgebung hier besonders gut wahrnehmen. Häufig lasse ich die Kopfhörer bewusst liegen, um auf die Geräusche um mich herum zu achten.

Den Wind spüren, den Vögeln zuhören, spüren, wie mein Füße in die Pedale treten…

Klingt esoterisch? Das ist völlig ok. Im Hier und Jetzt leben ist nicht leicht und nichts für jeden. Das muss man wollen. Dabei sollte man meinen, dass es das Leichteste & Normalste für uns auf der Welt ist, einfach nur „zu sein“. Aber nein, wir leben eigentlich konstant in Gedanken über die Vergangenheit oder die Zukunft. Gleichzeitig ist auch das ok. Wir sollten nicht so streng mit uns ins Gericht gehen.


Achtsam leben ≠ Friede-Freude-Eierkuchen

Dem Moment mehr Raum zu schenken bedeutet auch, dass man ALLES wahrnehmen kann, was da so vorgeht. Vielleicht haben wir ja einen schei** Tag, an dem irgendwie alles schief läuft. Da wollen wir doch nur noch weg. Der Tag soll endlich vorbei sein.

Achtsamkeit bedeutet nicht, dass wir uns alles schön reden. Es heißt nur, dass wir den Dingen, die in uns aufkommen, Raum geben. Dein Chef hat sich unfair verhalten? Wir können uns selber (gedanklich oder tatsächlich) in den Arm nehmen und sagen: „Es ist ok, dass ich jetzt wütend bin. Es ist ok, dass ich gerade Angst habe. Das gehört zum Leben dazu und geht auch wieder weg. Ich bin jetzt für mich da“.

Ich merke häufig, dass ich in unangenehmen Situationen verkrampfe. Meine Gedanken fahren Karussell. Bei mir zieht sich alles zusammen. Wenn ich mich wieder beruhigt habe, tut mir hinterher oft der Nacken oder Arm weh.

Dass ich in solchen Situationen achtsam bei mir selber bin, soweit bin ich noch nicht. Ich schaffe es selten, in so einem Moment auf meinen Atem zu horchen und mir schützend den Arm um die Schulter zu legen. Aber es wird immer besser. Jetzt weißt du auch, an was ich aktuell „arbeite“.


Wie du selber mehr Achtsamkeit in deinen Alltag integrieren kannst?

Tipp Nr. 1
Nimm dir einmal am Tag Zeit für dich. Mag das morgens beim Kaffee oder Tee trinken sein oder abends beim Zähne putzen. Nimm diesen ersten Schluck einmal ganz bewusst wahr. Wie schmeckt er dir? Wie berühren deine Lippen die Tasse? Was spürst du? Es mag erst mal ungewohnt sein, aber schon hast du einen kleinen, bewussten Moment erlebt – bevor der Alltagstrubel dich wieder einholt.


Tipp Nr. 2
Wir können achtsam im Gespräch mit einer anderen Person sein. Halte einmal inne während dein Gegenüber redet. Hör einfach zu, werte nicht, lausch in dich hinein, was die Worte des anderen in dir auslösen. Das nennt man achtsames Zuhören. Hier geht es nicht darum, keine Gefühle aufkommen zu lassen. Dein Gegenüber darf Gedanken, Bilder und Emotionen in dir auslösen. Aber anstatt direkt zu werten, nimm einfach mal wahr, was die Worte des anderen mit dir machen. Schon hattest du einen weiteren achtsamen Moment. (Kleiner Nebeneffekt: Zuzuhören wird dir so immer leichter fallen. Du wirst über kurz oder lang eine aufmerksamere Zuhörer*in).

Tipp Nr. 3
Such dir mal eine „langweilige“ Hausarbeit raus. Das mag für den einen das Bügeln sein, für den anderen Wäsche zusammenlegen. Und jetzt versuch mal, diese Tätigkeit achtsam durchzuführen. Wie fühlt sich die Wäsche an, während du sie zusammenlegst? Was für Stoffe berühren deine Hände? Was hörst du, wenn das Bügeleisen über den Stoff gleitet? Wie schwer ist es in deiner Hand? Was für Gedanken kreisen in deinem Kopf beim Rasen mähen? Wie fühlst du dich? Müde, wach, lebendig? So ein kurzer, achtsamer Moment holt uns ins Hier und Jetzt zurück und lässt unsere Alltagssorgen kleiner erscheinen.

Noch mehr Ideen? Probier doch einen Bodyscan.

Wer seinen Körper mal so richtig bewusst spüren will, mit allen positiven und negativen Gefühle, die dabei aufkommen können, dem empfehle ich einen Bodyscan auszuprobieren. Bei Mascha von Monkeymind findest du einen kurzen Bodyscan. Auf YouTube gibt es z.B. diesen englischsprachigen von Jon Kabat-Zinn.

Hinterher fühle ich mich immer befreiter. Es räumt auf im Kopf.

Ich wünsche dir viele achtsame Momente. ♥


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